16-11-09
Nick wirft einen Blick zurück auf die Saison 2009

Nach dem für mich enttäuschenden Auftakt in Australien kam mit Malaysia das erste Highlight der Saison.

Es war ein aufregendes Rennen, wenn ich allerdings rechtzeitig Intermediates anstatt Regenreifen genommen hätte, wäre es noch besser geworden. Dann hätte ich dieses Rennen gewinnen können. Allerdings war es unmöglich, genau zu wissen, wann "rechtzeitig" ist.

Danach folgten leider erstmal wenige Highlights, wir sind im Vergleich zu der Konkurrenz weit zurück gefallen. In der Sommerpause kam dann der Schock des Ausstiegs von BMW hinzu. Nachdem Honda aus der Formel 1 ausgestiegen war, die Wirtschaftskrise anhielt und es immer wieder Gerüchte über Unsicherheiten bei anderen Herstellern gab, habe ich natürlich immer versucht, im eigenen Haus Bescheid zu wissen. Ich habe oft nachgefragt, und immer wieder wurde mir versichert, dass wir weiterfahren. Als der Anruf kam, konnte ich es nicht glauben. Es hat eine Weile gedauert, bis diese Nachricht gesackt war. Das wird für viele so gewesen sein, vor allem, weil die Teammitglieder in die Ferien fuhren und die Fabrik geschlossen war. Die Leute hatten Wochen zu überstehen, ohne etwas zu wissen, ohne fragen zu können, wie es weitergeht. Das war schlimm.

Natürlich ist so eine Entscheidung nicht in meinem Sinne. Ich bin Rennfahrer und pro Motorsport. Aus Sicht eines Automobilherstellers macht es aber vielleicht Sinn, nachhaltiger und grüner zu werden. Wir haben eine weltweite Wirtschaftskrise, auf die ein Konzern reagieren muss. Da hat sicher einiges eine Rolle gespielt. Aber es ist extrem schade. BMW ist angetreten, um den Titel zu holen. Ich denke, wir hätten das auch geschafft. Jetzt hoffe ich sehr, dass die Sauber-Mannschaft schnellstmöglich einen Startplatz für 2010 bekommt.

Sportlich holten wir nach der Sommerpause dann einiges auf. Belgien war vom Speed her gut, aber nicht, wenn ich mir mein Ergebnis anschaue. Es war ein Fehler, auf den harten Reifen zu starten. Ein Podium wäre drin gewesen. Monza war im Rückblick enttäuschend. Ich war das ganze Wochenende schnell, hatte aber einen Motorschaden in Q2. Im Rennen bin ich zwar als Siebter in die Punkte gefahren, aber es hätte viel besser sein können und sollen.

In Singapur, wo wir ein großes Paket mit neuen Teilen dabei hatten, musste ich aus der Box starten, dann ist mir Sutil ins Auto gefahren. Es war der erste Ausfall seit Ewigkeiten. Davor hatte ich 33 Mal die Zielflagge gesehen und war 41 Mal in Folge qualifiziert. In Japan hatten wir ein Problem beim Boxenstopp, eine Radmutter klemmte, und ich habe letztlich zwei Positionen verloren und in Brasilien lief einfach alles schief. Dennoch war auch hier der Aufwärtstrend sichtbar, der schließlich in Platz 5 in Abu Dhabi gipfelte.

2008 war das schlechteste Jahr in meiner ganzen Karriere. Was natürlich besonders ärgerlich ist, weil wir da das beste Auto hatten. 2009 bin ich nicht unzufrieden mit meiner Leistung, ich denke, ich konnte meistens das Maximum aus dem Auto herausholen. Wenn man um Podestplätze und Siege kämpft, fällt das natürlich mehr auf. Zumindest in der Öffentlichkeit. Andere Teamchefs sehen das aber schon. Deswegen sehe ich der Zukunft optimistisch entgegen.


VON: CLAUDIA HERRSCHLEIN

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